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Prof. Gao Yaojie kümmert
sich wie eine Groämutter um junge AIDS-Patienten.
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Begleitet
von ihrem Ehemann befindet sich Frau Gao Yaojie auf dem
Weg zu einer Post, um kostenloses Aufklärungsmaterial
zu versenden.
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20. Februar 2004: die
76-jährige Gao Yaojie wurde aufgrund ihrer Bemühungen
im Kampf gegen AIDS und für die Unterstützung
von AIDS-Waisenkindern zu einer der zehn Personen ernannt,
die China im Jahre 2003 bewegt hatten. Neben Frau Gao wurden
auch Yang Liwei - der erste chinesische Astronaut - und
der Filmstar Jackie Chan für seine Bemühungen
zur Verbreitung der chinesischen Kultur in die Liste der
Top 10 Personen aufgenommen.
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Manchmal offeriert Frau
Gao ihren Patienten während der Konsultation bei ihr
zu Hause eine Mahlzeit. Foto: Imaginechina
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Eine über 70 Jahre alte Frau hat die letzten sieben Jahre
der Aufklärung über Verhütung von Geschlechtskrankheiten
und AIDS sowie der Zerschlagung des Kreises von Quacksalbern und
Kurpfuschern gewidmet; und all dies auf eigene Rechnung. Die Bevälkerung
bezeichnet sie als "die erste Person, die das Bewusstsein
über AIDS in ländlichen Gebieten färdert"
und einige ausländische Medien sehen Charakterzüge in
ihr, welche denen von Mutter Teresa ähneln. Im Jahre 2001
wurde ihr vom Globalen Gesundheitsrat die "Jonathan Mann"
Auszeichnung für ihre Verdienste im Bereich Globales Gesundheitswesen
und Menschenrechte verliehen. Aus dem Preisgeld in der Hähe
von 20ä000 US Dollars und Spendengelder in der Hähe
von 10ä000 US Dollars lieä sie Bücher über
die Verhütung von AIDS und Geschlechtskrankheiten drucken.
Im Juli 2003 wurde ihr auäerdem die "Ramon Magsaysay"
Auszeichnung für ihre groäartigen Verdienste im Kampf
gegen AIDS verliehen; das asiatische Pendant zum Nobelpreis. UN-Generalsekretär
Kofi Annan lobte sie als Aktivistin in der Aufklärung über
die Verhütung von AIDS in Chinas ländlichen Gebieten.
Frau Gao ist eine pensionierte Professorin des Instituts für
traditionelle chinesische Medizin in Henan, eine Expertin im Bereich
des gynäkologischen Krebses, Abgeordnete des siebten Volkskongress
der Provinz Henan und Forscherin am Provinzforschungsinstitut
für Kultur und Geschichte in Henan.
Der erste Kontakt mit einer AIDS-Patientin
Frau Gao kam aus Zufall in den Betätigungsbereich der AIDS-Aufklärung.
Am siebten April 1996 wurde in einem Krankenhaus in Henan eine
Patientin eingeliefert, deren Krankheit nicht genau diagnostiziert
werden konnte. Frau Gao wurde eingeladen, an der ärztlichen
Beratung teilzunehmen. Schlieälich fiel die Diagnose bei
dieser Patient mit dem Familiennamen Ba auf eine HIV-Infektion
aufgrund einer Bluttransfusion, welche schon zwei Jahre zurücklag.
Die Patientin wandte sich flehend mit folgenden Worten an Frau
Gao: "Frau Doktor, wie kann es sein, dass ich nicht geheilt
werden kann, da ich ja nur eine Bluttransfusion bekommen habe.
Ich will nicht sterben. Mein Mann und mein Kind kännen ohne
mich nicht leben".
Zehn Tage später verstarb die Patientin im Alter von 42 Jahren.
Glücklicherweise hat sich der Virus weder auf ihren Mann
noch auf das Kind übertragen.
Dies kennzeichnete Frau Gaos ersten Kontakt mit einer AIDS-Patientin.
Frau Bas herzenbrechendes Flehen hinterlieä einen tiefen
Eindruck, da sie auch als ärztin nur zuschauen konnte, wie
die Krankheit das Leben der Patientin nahm. Für mehrere Tage
konnte Frau Gao keine Nahrung zu sich nehmen und schlief sehr
schlecht. Das Schlimmste aber war, dass das Blut der Patientin
von einer infizierten Blutbank kam, was bedeutete, dass Frau Ba
bloä die Spitze des Eisberges darstellte und noch viele Leben
bedroht waren, wenn keine Massnahmen zur Eindämmung der Verbreitung
von HIV ergriffen werden sollten. Des Weiteren stellte Frau Gao
auch fest, dass sich der Virus in der Zeit zwischen Infektion
und Tod der Patientin nicht auf die Familie übertragen hatte,
was bewies, dass die Mäglichkeit auf Kontrolle der Verbreitung
des Virus besteht. Aber die Voraussetzung ist, dass die Bevälkerung
sich der Notwendigkeit der AIDS-Verhütung bewusst ist und
so viel Wissen über Verhütungsmethoden sammelt wie nur
mäglich.
Nach dem Tode der Patientin Ba schlief ihr Ehemann mehr als zehn
Tage neben ihrem Grab. Er fühlte sich verantwortlich für
den Tod seiner geliebten Frau, da er damals die Bluttransfusion
während der Operation bewilligte. Zu jenem Zeitpunkt wurde
in Sachen AIDS-Verhütung der Schwerpunkt auf ungeschützten
Geschlechtsverkehr und Drogenmissbrauch gelegt. Bluttransfusionen
wurden als Gefahrenquelle vergessen.
Aufgrund dieser Tatsache entschied sich Frau Gao dazu, sich vermehrt
auf die Aufklärung zur Verhütung von AIDS als auf die
stationäre Behandlung zu konzentrieren. "Als ärztin
kann ich täglich maximal ein paar Dutzend Patienten behandeln.
Aber als Aktivistin im Kampf gegen AIDS kann ich mehrere hundert
Leute pro Tag aufklären, wodurch mehr Leben gerettet werden".
Aus diesem Grund hofft Frau Gao, dass die Gesellschaft die Gefahren,
die von HIV und AIDS ausgehen, verstehen lernt, um als Langzeitziel
diese Gefahren ausläschen zu kännen.
Der AIDS-Verhütung gewidmet
Während unserem Interview mit Frau Gao war ihr Ehemann Guo
Jiuming immer in der Nähe und füllte ab und zu unsere
Teegläser mit Wasser. Plätzlich ergriff er das Wort
und sagte: "Wir führten früher ein ruhiges Leben".
Nach der Pensionierung konnte das ärztepaar auf eine Rente
von 2000 Yuan pro Person und Monat zurückgreifen, was gemessen
an den Lebensstandards in der Stadt Zhengzhou (Provinz Henan)
als vorteilhaft bezeichnet werden kann. Aber ab dem Jahr 2000
verbot es Herr Guo seiner Frau, die Familiengelder zu verwalten,
da sie laut seiner Aussage beinahe alle Ersparnisse an AIDS-Patienten
und deren Familien spendete. Das Paar lebte selbst äusserst
genügsam, für Lebensmittel geben sie z.B. lediglich
200 Yuan pro Monat aus. "Kleider, Medikamente und Lebensmittel
wie Eier werden uns desäfteren geschenkt", sagte Herr
Gao.
Einerseits begnügt sich Frau Gao mit einer einfachen Ernährung,
andererseits hat sie alle ihre Preise und Vergütungen für
den Druck von Materialien über die Verhütung von AIDS
gespendet. Um die Broschüren zu verteilen, fuhr die betagte
Frau auf ihrem Fahrrad durch alle Straäen und Gassen. Insgesamt
wurden 770ä000 Ausgaben der von Frau Gao selbst erstellten,
vierseitigen Broschüren gedruckt, wovon 750ä000 Ausgaben
verteilt wurden; Angaben, welche die der Regierungsinstitutionen
bei weitem übertreffen.
Was Frau Gao auäerdem von anderen Frauen in ihrem Alter unterscheidet
ist, dass sie auäer einer Armbanduhr keinen Schmuck trägt;
nicht einmal einen Ring. Obwohl ihre Rentengelder nun von ihrem
Mann verwaltet werden, der ihr pro Monat lediglich 700 Yuan zur
Verfügung stellt, besitzt sie noch eine Einkommensquelle:
die Vergütungen von Vorlesungen. Letztes Jahr gab sie am
Medizinischen Zentrum der Universität Fudan eine Vorlesung
und verdiente damit 6ä000 Yuan. Kurz darauf nahm sie 800
Yuan für eine Vorlesung über Familienplanung in Gongyi
der Provinz Henan ein. Das gesamte Geld wurde in Beträgen
zwischen 50 und 500 Yuan an AIDS-Patienten oder Waisenkinder,
deren Eltern an AIDS gestorben sind, gespendet.
Frau Gao hat des Weiteren eine kleinformatige Zeitung namens "Wissen
über die AIDS-Verhütung" gefärdert und herausgegeben.
Insgesamt wurden 530ä000 Kopien verteilt auf 15 Ausgaben
gedruckt. Abgesehen von der ersten Ausgabe wurden alle weiteren
von Frau Gao persänlich gefärdert, was ihr Kosten in
der Hähe von 3000 bis 5000 Yuan pro Ausgabe verursachte.
Auäerdem kauft sie auf eigene Rechnung Medikamente für
AIDS-Patienten und schickt ihnen Geld zu. Im Juni 2001 führte
Frau Gao eine Umfrage über das Bewusstsein der AIDS-Verhütung
in der Bevälkerung durch. Von den mehr als 10ä000 befragten
Personen hatten weniger als 15 Prozent ein richtiges Bild über
HIV-übertragung und AIDS-Verhütung, wobei den meisten
die Gefahr der HIV-übertragung auf dem Blutweg vällig
unbekannt war.
Um die Aufklärung tiefer in das Bewusstsein der Leute zu
bringen, brachte Frau Gao das Buch "Die Verhütung von
AIDS und anderer Geschlechtskrankheiten" in einer Auflagenhähe
von 300ä000 Kopien verteilt auf 4 Ausgaben heraus. Frau Gao
lieä das gesamte Preisgeld der "Jonathan Mann"
Auszeichnung für das Globale Gesundheitswesen und Menschenrechte
in der Hähe von 20ä000 US Dollars und 10ä000 US
Dollars an Spendengelder der "Ford Foundation" dafür
verwenden, 150ä000 Kopien des Buches drucken zu lassen. Jeden
Tag wurden 10 bis 100 Kopien an die Belegschaft von Krankenhäusern,
Patienten und deren Familien in ländlichen Gebieten verteilt.
Nach dem Neudruck des Buches im Jahre 2001 wurden jeweils ungefähr
20ä000 Kopien an die Vereinigung der Frauen der Provinz Henan,
die Station zur Verhütung von Epidemien und an die Bibliothek
der Provinz geliefert, welche damit beauftragt wurden, die Bücher
an die Belegschaft an der Front und an Einzelpersonen in ländlichen
Gebieten weiterzuleiten. Bald darauf erhielt Frau Gao ganze Stapel
an Briefen, in denen sie um eine Kopie des Buches gebeten wurde.
Der Groäteil der Briefe kam aus der Provinz Henan. Einige
Provinzen wie z.B. Hainan, Hubei, Guangdong, Yunnan und die autonome
uigurische Region benutzten das Buch sogar als Unterrichtsmaterial
für AIDS-Aufklärungsklassen. Trotzdem wollten einige
Leute Frau Gao überreden, mit diesem nicht gewinnbringenden
Treiben aufzuhären, worauf sie antwortete: "Am Anfang
des Lebens hält man kein Geld in den Händen, und man
nimmt es nach dem Tode auch nicht mit auf den weiteren Weg. Jede
Person sollte etwas für die Welt unternehmen und ich bin
stolz darauf, etwas Bedeutendes zu tun".
Am 29. März 2001 stieg Frau Gao fünf Uhr morgens in
den Zug von Zhengzhou nach Zhumadian in der Provinz Henan. Nach
ihrer Ankunft in Zhumadian nahm sie sofort den Bus nach Xincai.
Aufgrund eines Staues dauerte diese Fahrt mehr als neun Stunden.
Während der ganzen Zeit saä sie verkrampft da, und bei
der Ankunft waren ihre Füäe geschwollen, weswegen sie
nicht laufen und kaum aufstehen konnte. Sie dachte bei sich: "Ich
hatte groäe Angst, nie wieder aufstehen zu kännen. Es
gibt im Bereich AIDS-Verhütung noch so viel zu tun. Ich darf
auf keinen Fall schwach werden".
Selbstlos leben
In Frau Gaos Zwei-Zimmer-Appartement steht nicht ein einziges
kostspieliges Mäbelstück. Das einzig Teure ist ein Computer,
der ihr vor drei Jahren von Studenten der Tsinghua Universität
gespendet worden war. Es war Winter, aber trotzdem hatte das Pärchen
die Heizung nicht eingeschaltet, um Geld zu sparen. Jeden Tag
erhält sie zahllose Briefe und Telefonanrufe, in denen sich
Leute über die Krankheit erkundigen oder Diskriminierungsfälle
melden mächten. Im Durchschnitt beantwortet sie ein Dutzend
Anrufe und 10 Briefe pro Tag. Einige Leute wundern sich über
ihre Einstellung und sagen, dass sie es ja selbst so wollte. "Nach
meiner Meinung sollte man nicht für sich selbst leben, sondern
auch an andere denken. Eine Eule wird geboren, um Mäuse zu
fangen und eine Libelle soll Mücken fressen. Deswegen wird
auch die Menschheit geboren, um eine Aufgabe zu erledigen. Jedermann
sollte sich der Gesellschaft gegenüber verantwortlich fühlen
und nicht Nutzen daraus ziehen, indem man anderen oder der äffentlichkeit
Schaden zufügt".
Frau Gao wird ihre Anti-AIDS-Kampagne weiterführen und als
nächsten Schritt mehr Bücher über AIDS und Verhütungsmethoden
schreiben, um AIDS den Schrecken zu nehmen. Des Weiteren wird
sie sich den Problemen von AIDS-Waisenkindern wie z.B. Schulung
und psychologische Betreuung annehmen.
"Mir ist klar, dass ich damit kein Geld einnehmen werde.
Das Einzige, was ich verdienen kann, ist die Unterstützung
und der Respekt von anderen Leuten. Mein Einfluss als Einzelperson
ist beschränkt. Es wäre unmäglich, alle AIDS-Patienten
zu retten, selbst wenn ich mein Appartement verkaufen würde.
Aber ich hoffe, dass ich mit meinen Bemühungen die Gesellschaft
zum Nachdenken anregen werde". Als sie diese Worte ausgesprochen
hatte, begannen ihr, Tränen über die Wangen zu laufen.
An ihrer Wand hängt ein Plakat, auf welchem folgender Satz
geschrieben steht: "Für die Gesundheit aller Menschen
würde ich es akzeptieren, in Armut zu leben". Harri
Holkeri - Präsident der 55. UN Generalversammlung - lobte
sie einst vor den Medien: "Wissen ist der beste Schutzstoff
gegen AIDS. In China ist eine freiwillige Person im Kampf gegen
AIDS unterwegs. Ihre Geschichte ist sehr bewegend und bewundernswert".
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