200502

Tourismus

 

Der Karneval der Lamas

 

Text und Fotos: Zhang Wei


 

 



Nach dem chinesischen Bauernkalender feiern Lamas des Tempels Labrang alljährlich am 6. Tag des 6. Monats auf dem Sank-Grasland das Xianglang-Fest, das für junge Lamas wie ein Karneval ist. Anlässlich dieses 7 Tage dauernden Festes kännen Lamas den Tempel verlassen und auf dem Grasland Sank nach Lust und Laune an verschiedenen sportlichen Wettbewerben teilnehmen.


Der Tempel Labrang, 1 km westlich von der Kreisstadt Xiahe des Tibetischen Autonomen Bezirkes Gannan der Provinz Gansu entfernt, wurde im 48. Regierungsjahr (1709) des Qing-Kaisers Kangxi errichtet und hat eine Geschichte von ca. 300 Jahren. Er gehärt zu den 6 Tempeln der Gelben Sekte des tibetischen Buddhismus und ist mit 84 Hallen, 500 Räumen für Lamas und 108 Sakralbauten in Amdo die grääte heilige Stätte des tibetischen Buddhimus auäerhalb Lhasas. Bekannt ist der Labrang-Tempel als eine wichtige Lehranstalt für die Ausbildung von lamaistischen Gelehrten. Heute hat er insgesamt 6 Institute für den esoterischen und exoterischen Buddhimsus, Theologie, Astronomie und Medizin. Hier werden 60ä000 Bände der buddhistischen Schriften aufbewahrt.


Das Xianglang-Fest ist eine wichtige Feierlichkeit des Labrang-Tempels. Xianglang bedeutet in der tibetischen Sprache "Sammeln von Heizholz". Der historischen überlieferung zufolge gingen Lamas des Labrang-Tempels im Sommer in den umliegenden Gebirgen Bäume als Heizholz fällen. Oft mussten sie so lange Wegstrecken zurücklegen, dass sie am selben Tag nicht zum Tempel zurückgehen konnten und auäerhalb ihrer Wohnstätte übernachten mussten. Das war für Lamas eine günstige Gelegenheit, sich zu vergnügen. Im Laufe der Jahrhunderte enstand so das Xianglang-Fest. Heute ist dieses Fest ein traditionelles Fest für Lamas und auch für ärtliche tibetische Einwohner in Gannan. An den 7 Festtagen sieht man überall auf dem Grasland Sank zahlreiche weiäe Zelte. Anlässlich des Festes werden nicht nur sportliche Wettbewerbe, sondern auch verschiedene Kulturveranstaltungen abgehalten.


Um dieses Fest zu erleben, fuhr ich Mitte Juli 2004, einen Tag vor dem Fest, mit dem Zug von Beijing aus nach Lanzhou, dann von dort aus mit einem Fernbus in die Kreissstadt Xiahe, von dort weiter mit einem Dreiradwagen zum Labrang-Tempel, wo ich zuerst Gyurme, einen jungen Lama, besuchen wollte.


Vor zwei Jahren habe ich Gyurme kennengelernt. Damals hat er mir beim Fotografieren viel geholfen. Als ich den Tempel erreichte, war er gerade bei einer Zeremonie in der Sutrenhalle. Deshalb musste ich warten. Zwei Stunden später kam er aus der Sutrenhalle und sagte mir, dass er mich schon in der Halle gesehen hatte.
Am zweiten Tag fuhr ich zusammen mit Gyurme und anderen Lamas mit einem Wagen zum Grasland Sank, etwa zehn km vom Labrang-Tempel entfernt. Unterwegs sangen Gyurme und seine Kollegen ununterbrochen tibetische Volkslieder. Sobald wir das Grasland ereichten, begannen die Lamas, ein Zelt aufzuschlagen.
Sportliche Wettbewerbe sind ein wichtiger Bestandteil der festlichen Veranstaltungen. Die traditionellen tibetischen sportlichen Tätigkeiten haben eine lange Geschichte. Schon vor 1300 Jahren, also in der Regierungszeit des tibetischen Känigs Songtsan Gambo, waren sie sehr populär. Bis heute sind sie bei den tibetischen Festen unentbehrlich. Aber für mich war es das erste Mal, dass ich sportliche Wettbewerbe, an den Lamas teilnahmen, gesehen habe.


Gyurme und seine Kollegen haben dann mit Kalkpulver ein Spielfeld gemalt. Die beiden Korbständer waren schon zuvor von ihnen hergestellt worden. Ich bin ein Basketballfan und kann auch gut spielen. Bei einem übungsspiel, an dem ich auf Einladung teilnahm, musste ich jedoch erstaunt feststellen, dass alle spielenden Lamas besser als ich spielten.


An den folgenden Tagen fanden auch andere Wetbewerbe wie z.B. Fuäball Federball, Weit- und Seilspringen, Tauziehen und sogar Go-Spiele statt, an denen viele Lamas teilgenommen haben. Schiedsrichterrollen wurden von älteren Lamas übernommen.


Der Fuäballwettbewerb war besonders lebhaft. Einige Lamas trugen sogar unter ihren Mänchskutten das Trikot der Mannschaft von Juventus Turin. Wenn ein Tor geschossen wurde, brach unter den Zuschauern starker Jubel aus.


Durch Guyrme habe ich andere Lamas kennen gelernt. Unser Gesprächsthema war immer der Sport. Die Namen vieler Sportstars wie Michael Jordan und Yao Ming und viele wichtige inländische und internationale Sportanlässe sind ihnen nicht unbekannt.


Während der Festtage haben Lamas auch verschiedene Kulturveranstaltungen abgehalten. Unter der Mandola-Begleitung sangen und tanzten sie nach Lust und Laune ...