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Nach dem chinesischen Bauernkalender feiern Lamas des Tempels
Labrang alljährlich am 6. Tag des 6. Monats auf dem Sank-Grasland
das Xianglang-Fest, das für junge Lamas wie ein Karneval
ist. Anlässlich dieses 7 Tage dauernden Festes kännen Lamas den
Tempel verlassen und auf dem Grasland Sank nach Lust und Laune
an verschiedenen sportlichen Wettbewerben teilnehmen.
Der Tempel Labrang, 1 km westlich von der Kreisstadt Xiahe des
Tibetischen Autonomen Bezirkes Gannan der Provinz Gansu entfernt,
wurde im 48. Regierungsjahr (1709) des Qing-Kaisers Kangxi errichtet
und hat eine Geschichte von ca. 300 Jahren. Er gehärt zu den 6
Tempeln der Gelben Sekte des tibetischen Buddhismus und ist mit
84 Hallen, 500 Räumen für Lamas und 108 Sakralbauten in Amdo
die grääte heilige Stätte des tibetischen Buddhimus auäerhalb
Lhasas. Bekannt ist der Labrang-Tempel als eine wichtige Lehranstalt
für die Ausbildung von lamaistischen Gelehrten. Heute hat
er insgesamt 6 Institute für den esoterischen und exoterischen
Buddhimsus, Theologie, Astronomie und Medizin. Hier werden 60ä000
Bände der buddhistischen Schriften aufbewahrt.
Das Xianglang-Fest ist eine wichtige Feierlichkeit des Labrang-Tempels.
Xianglang bedeutet in der tibetischen Sprache "Sammeln von
Heizholz". Der historischen überlieferung zufolge gingen
Lamas des Labrang-Tempels im Sommer in den umliegenden Gebirgen
Bäume als Heizholz fällen. Oft mussten sie so lange Wegstrecken
zurücklegen, dass sie am selben Tag nicht zum Tempel zurückgehen
konnten und auäerhalb ihrer Wohnstätte übernachten mussten.
Das war für Lamas eine günstige Gelegenheit, sich zu
vergnügen. Im Laufe der Jahrhunderte enstand so das Xianglang-Fest.
Heute ist dieses Fest ein traditionelles Fest für Lamas und
auch für ärtliche tibetische Einwohner in Gannan. An den
7 Festtagen sieht man überall auf dem Grasland Sank zahlreiche
weiäe Zelte. Anlässlich des Festes werden nicht nur sportliche
Wettbewerbe, sondern auch verschiedene Kulturveranstaltungen abgehalten.
Um dieses Fest zu erleben, fuhr ich Mitte Juli 2004, einen Tag
vor dem Fest, mit dem Zug von Beijing aus nach Lanzhou, dann von
dort aus mit einem Fernbus in die Kreissstadt Xiahe, von dort
weiter mit einem Dreiradwagen zum Labrang-Tempel, wo ich zuerst
Gyurme, einen jungen Lama, besuchen wollte.
Vor zwei Jahren habe ich Gyurme kennengelernt. Damals hat er mir
beim Fotografieren viel geholfen. Als ich den Tempel erreichte,
war er gerade bei einer Zeremonie in der Sutrenhalle. Deshalb
musste ich warten. Zwei Stunden später kam er aus der Sutrenhalle
und sagte mir, dass er mich schon in der Halle gesehen hatte.
Am zweiten Tag fuhr ich zusammen mit Gyurme und anderen Lamas
mit einem Wagen zum Grasland Sank, etwa zehn km vom Labrang-Tempel
entfernt. Unterwegs sangen Gyurme und seine Kollegen ununterbrochen
tibetische Volkslieder. Sobald wir das Grasland ereichten, begannen
die Lamas, ein Zelt aufzuschlagen.
Sportliche Wettbewerbe sind ein wichtiger Bestandteil der festlichen
Veranstaltungen. Die traditionellen tibetischen sportlichen Tätigkeiten
haben eine lange Geschichte. Schon vor 1300 Jahren, also in der
Regierungszeit des tibetischen Känigs Songtsan Gambo, waren sie
sehr populär. Bis heute sind sie bei den tibetischen Festen unentbehrlich.
Aber für mich war es das erste Mal, dass ich sportliche Wettbewerbe,
an den Lamas teilnahmen, gesehen habe.
Gyurme und seine Kollegen haben dann mit Kalkpulver ein Spielfeld
gemalt. Die beiden Korbständer waren schon zuvor von ihnen hergestellt
worden. Ich bin ein Basketballfan und kann auch gut spielen. Bei
einem übungsspiel, an dem ich auf Einladung teilnahm, musste
ich jedoch erstaunt feststellen, dass alle spielenden Lamas besser
als ich spielten.
An den folgenden Tagen fanden auch andere Wetbewerbe wie z.B.
Fuäball Federball, Weit- und Seilspringen, Tauziehen und sogar
Go-Spiele statt, an denen viele Lamas teilgenommen haben. Schiedsrichterrollen
wurden von älteren Lamas übernommen.
Der Fuäballwettbewerb war besonders lebhaft. Einige Lamas trugen
sogar unter ihren Mänchskutten das Trikot der Mannschaft von Juventus
Turin. Wenn ein Tor geschossen wurde, brach unter den Zuschauern
starker Jubel aus.
Durch Guyrme habe ich andere Lamas kennen gelernt. Unser Gesprächsthema
war immer der Sport. Die Namen vieler Sportstars wie Michael Jordan
und Yao Ming und viele wichtige inländische und internationale
Sportanlässe sind ihnen nicht unbekannt.
Während der Festtage haben Lamas auch verschiedene Kulturveranstaltungen
abgehalten. Unter der Mandola-Begleitung sangen und tanzten sie
nach Lust und Laune ...
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