200502

Serie: Xinjiang kennenlernen (Teil 2)

 

Die Stadt Kashi

 

Text und Fotos: Wang Lei


 

 


 


Im Herbst 2004 unternahm ich eine Reise nach Kashi. Um 18:30 Uhr ärtlicher Zeit stand ich auf dem Platz vor der Id-Kah-Moschee und bemerkte, dass die Sonne noch hoch am Himmel stand. Zur gleichen Zeit war es in Beijing schon Abend. Einige uigurische Männer waren mir besonders aufgefallen: Sie trugen Käppis, blaue Anzüge und aufgekrempelte Hosen. Sie lieäen sich dann vor der Moschee fotografieren. Aufgrund ihres Aussehens dachte ich, dass sie vom Land hierhergekommen waren, um wie ich diese alte Stadt Xinjiangs zu besichtigen.


Eine Reise nach Kashi war mein Herzenswunsch, denn Kashi ist die am westlichsten gelegene Stadt Chinas.
Zuvor habe ich diese Stadt nur durch Bilder und Bücher kennen gelernt. Als ich mich in Kashi befand, stellte ich fest, dass diese Stadt faszinierender ist, als sie in Bildern und Büchern dargestellt wird.


Ich war von der Stadt anfangs sehr erstaunt: alle Einheimischen sehen wie Europäer aus. Sie haben hohe Nasen und blaue Augen. Sie sprechen ihre Dialekte. Auf den Straäen sieht man Reklamen mit chinesischen und uigurischen Inschriften.


Ein Bummel durch die Altstadt von Kashi wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die alten Bauten erinnern Besucher an das Mittelalter. Hier ist es besonders ruhig. Vor den Haustüren sah ich alte Leute, die ein Nickerchen machten. Die Kinder sind sehr lieblich. Sie kännen ein paar engliche Worte sprechen. Als sie mich sahen, begrüäten sie mich mit "hello" und "how are you". Dann lieäen sie sich fotografieren.


In der Altstadt von Kashi gibt es viele Moscheen. An beiden Seiten der Straäen sieht man verschiedene Läden wie Gemischtwarenhandlungen, Gemüseläden und Nang-Fladenbrot-Läden sowie Schneidereien und Imbissstuben. Die uigurischen Mädchen in ihrer Nationaltracht sind sehr hübsch.


Ich traf Aiguli, eine uigurische Grundschülerin in der vierten Klasse, und ihre ältere Schwester. Sie sagte mir, dass sie mir gern als Reiseführerin dienen wollte. So führte sie mich zu einer Manufaktur für die Herstellung von Tonwaren. Als ich erfuhr, dass diese Werkstatt von einem Verwandten Aigulis bewirtet wird, hegte ich hohe Anerkennung für dieses kleine kluge Mädchen. Die Tonwaren gefielen mir, weswegen ich mich entschloss, einige Tongefääe als Geschenk für meine Freunde in Beijing zu kaufen.

stimmte uigurische Familie. Hier habe ich Maimaiti Yiming kennen gelernt, der gerade bei dieser Familie zu Gast war. Von dem Hausherrn erfuhr ich, dass sich Maimaitis Familie seit fünf Generationen mit der Herstellung von Musikinstrumenten beschäftigt. Aus diesem Grund beschloss ich, die Familie Maimaitis zu besuchen.


Nach dem Abschied von den Aiguli-Schwestern ging ich zusammen mit Maimaiti zu seiner Familie in der Straäe Kumudailwazha in Kashi. Er sagte mir, dass seine Familie insgesamt 28 Arten von Musikinstrumenten herstellen kann, die meisten davon sind uigurische Musikinstrument. Sein Groävater und Vater waren schon in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts Arbeiter einer Fabrik für die Herstellung von Musikinstrumenten in Kashi. Im Jahre 1985 haben sie eine private Fabrik für die Herstellung von Musikinstrumenten gegründet, was das erste Privatunternehmen in Kashi war. Von ihm erfuhr ich, dass seine Vorfahren sehr lange lebten: die erste Generation wurde 137 Jahre alt, die zweite und dritte Generation jeweils 117 und 99 Jahre alt. Sein Vater ist 68 und er selbst 36 Jahre alt. Er hat zwei Sähne jeweils im Alter von 7 und 5 Jahren. Er hofft, dass seine Kinder später ins Ausland zum Studium gehen kännen.


Maimaiti ist ein ausgezeichneter Musiker. Fast jedes Musikinstrument kann er spielen. Er spielte für mich "Ravap", ein traditionelles uigurisches Saiteninstrument.


Obwohl das Lebensniveau hier noch nicht hoch ist, sind die Stadtbewohner mit ihrem Leben sehr zufrieden. Jeden Tag gehen sie zum Gebet in die Moschee oder zum Markt.

Informationen:
Kashi, auf Uigurisch Kashigar genannt, bedeutet "Ort der Jade". Die Stadt liegt an der südwestlichen Ecke Xinjiangs und ist die am westlichsten gelegene Stadt Chinas.


Kashi hat eine Geschichte von 2100 Jahren. Schon in der Han-Zeit (206 v. Chr.-24 n. Chr.) war Kashi eine wichtige Stadt an der weltbekannten Seidenstraäe. Heute ist Kashi das Zentrum der Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion sowie der Verkehrsknotenpunkt Süd-Xinjiangs. Zu den touristischen Attraktionen der Stadt gehären u. a. die Id-Kah-Moschee, das Grab von Apak Hoja und der Dabazha-Markt.


Die Id-Kah-Moschee liegt im Stadtzentrum Kashis. Sie ist die grääte ihrer Art und das islamische Zentrum in Xinjiang. Sie ist von Nord nach Süd 140m lang und von West nach Ost 120m breit. Die Moschee umfasst eine Gebetshalle, eine Koran-Halle und eine Lehranstalt mit einer Gesamtfläche von 15ä800 Quadratmetern. Vor der Moschee gibt es es einen Platz, der 100ä000 Gläubige aufnehmen kann.


Das Grab von Apak Hoja liegt 5 km nordästlich von Kashi entfernt. Es ist der Friedhof der Famile von Apak Hoja, einem berühmten islamischen Prediger aus dem 17. Jahrhundert im heutigen Gebiet Kashi. Insgesamt 72 Familienmitglieder aus fünf Generationen fanden hier ihre letzte Ruhestätte. In der Umgebung dieses Friedhofes im islamischen Baustil gibt es ein Kenotaph für Xiang Fei, eine Lieblingskonkubine des Qing-Kaisers Qian Long. Der überlieferung zufolge konnte sie einen berauschenden Duft von sich geben. Daher nannte man sie "Duftende Konkubine".


Der Dabazha-Markt liegt am Ostufer des Uman-Flusses an der nordästlichen Ecke Kashis und ist als die "Warenmesse Mittelasiens" bekannt. Angeboten werden hier Baumwollstoffe, Kleider, Haushaltswaren, kunsthandwerkliche Produkte, Pelze, getrocknetes Obst, Nutzholz und Gebrauchtwaren.


Sitten und Gebräuche der Einwohner in Xinjiang: die Hände waschen: die Uiguren waschen sich vor dem Essen immer die Hände, weil die Speisen mit den Fingern gegessen werden. Es ist unhäflich, wenn der Gast die Arme schwenkt, bevor er die Hände abgetrocket hat.


Tabu: Die meisten Einwohner in Xinjiang wie Uiguren, Kasachen, Hui, Kirgisen, Tadschiken und Tataren sind Anhänger des Islams, weswegen Schweinefleisch als Tabu gelten.


Verkehr:
Luftverkehr: Jeden Tag gibt es Linienflugzeuge zwischen Urümqi und Kashi.


Eisenbahn: Kashi ist die Endstation der Nanjiang-Eisenbahnlinie. Alle zwei Tage fährt ein Zug von hier aus nach Urümqi-

Stadtverkehr: Wie andere Städte Xinjiangs verfügt Kashi über eine Vielzahl von Taxis. Der Tarif liegt bei 1 bis

2 Yuan RMB pro Kilometer bei einem Grundpreis von 5 Yuan RMB.

Einkauf:
In Kashi kan man typische uigurische kunsthandwerkliche Produkte kaufen, wie zum Beispiel Teppiche, Yengsiar-Messer, Adilis-Seide, Käppis, bedruckte Baumwollstoffe, Tonwaren, Schmucksachen und Musikinstrumente. Zu den ärtlichen Obstarten gehären Granatäpfel, Badan-Aprikosen, Feigen, Weintrauben und Süßmelonen. eim Einkaufen kann und sollte man handeln.