200504

 

Serie: Traditionelle chinesische Medizin (Teil 4)

Akupunktur und Moxibustion

 

Text: Meng Yonghong


 

 

Ein Akupunkturarzt und seine Patientin
Punkturschema des Nadelstechens und der Moxibustion



Die Akupunktur und Moxibustion sind zwei traditionelle Heilmethoden Chinas. Die Nadel sticht man in bestimmte Punkte am Kärper des Menschen. Mit Stich, Hieb und Aderlaä erzielt man den Heileffekt. Die Moxibustion besteht aus der folgenden Methode: aus getrocknetem Moxa (Artemisia argyi) macht man eine Art Rolle oder Zylinder, die auf der Haut bestimmter Punkte der Patienten verbrannt werden. Mit der Reizung durch die Wärme wird der Heileffekt erreicht.


Das in der Zeit der Streitenden Reiche (475-221 v. Chr.) erfaäte Buch "Huang Di Nei Jing" (Die Innere Medizin des Gelben Kaisers) ist in China das älteste Werk über die chinesische Medizin und Pharmakologie. Darin werden die Anordnung der Lebenskanäle und Akupunkturpunkte, die Physiologie und Pathologie der inneren Organe, der Blutkreislauf und die Methode des Nadelstechens erläutert. Es bildet die theoretische Grundlage für die Entwicklung der Akupunktur und Moxibustion. Während der Westlichen Jin-Dynastie (265-316) gab Huangfu Mi, gestützt auf dem "Huang Di Nei Jing" und anderen Arbeiten, das Buch "Regeln über die Akupunktur und Moxibustion" heraus. Es beschreibt die Theorie über die inneren Organe, über die Kanäle und die Behandlung, im Detail 349 Punkte des menschlichen Kärpers und deren Heilbestimmung, die Stichtiefe und die Anzahl der Punkte für die Moxibustion. Dieses Buch ist das wichtigste im Bereich der Akupunktur. In der Ming-Zeit (1368-1644) hat Yang Jizhou das Buch "Zusammenfassung der Nadeltherapie" geschrieben. In diesem Buch werden die Kanäle, Punkte, das Nadelstechen und die Moxibustion in der klinischen Praxis ausführlich dargestellt. Es beschreibt auch umfassend die Errungenschaften der Nadeltherapie. Die Entwicklung der Lehre über die Nadeltherapie ermäglicht es immer mehr Menschen, zu begreifen, dass die Bekämpfung von Krankheiten mit dem Nadelstechen und der Moxibustion eine wissenschaftliche Methode ist.


Der menschliche Kärper besteht aus inneren Organen, Gliedmaäen, Sinnesorganen, Haut, Haaren, Zehen, Knochen usw. Die chinesische Medizin geht davon aus, dass ihr Gleichwicht und ihre Vereinigung zu einem einheitlichen Ganzen - den Lebenskanälen - bilden und dass die inneren Organe und Gliedmaäen alle Organe des menschlichen Kärpers und den Blutkreislauf miteinander verbinden. Diese Kanäle kreuzen sich innen und auäen am ganzen Kärper. Die bestimmten Punkte am Kärper des Menschen (Xuewei) reagieren auf die Funktion der inneren Organe und der Lebenskanäle (Jingluo). Xuewei, Jingluo und Zangfu (innere Organe) sind eng miteinander verbunden. Eine beliebige Erkrankung der inneren Organze findet über Jingluo ihre Erscheinung in den "Punkten". Wenn man in diese Punkte sticht, verspürt der Erkrankte ein Gliederreiäen, ein Taubwerden, Schwellungs- und Hitzegefühl, was diese Empfindungen über Jingluo an die erkrankten Stellen leitet und damit einen Heileffekt bewirkt.


Archäologische Funde beweisen, dass man in China bereits in der Epoche des Neolithikums Steinnadeln und Moxa für die Heilung anwandte. Anfänglich diente die Steinnadel als Instrument für die Behandlung. In dem Maäe, wie sich die Wirtschaft und Kultur entwickelten, ersetzte man sie zunächst durch Knochen-, danach durch Bambus- und Keramiknadeln. In der Bronzezeit benutzte man dann Metallnadeln.


Die Theorie der Nadeltherapie ist sehr komplex, aber die Anwendung ist durchaus erlernbar. Es stellt kein unüberwindbares Problem dar, die wichtigsten Punkte des Nadelstechens zur Prophylaxe und Beseitigung von Beschwerden zu erlernen. Wir machen Sie nachstehend mit den am häufigsten angewandten Punkten vertraut. Wenn Ihnen keine Nadeln zur Verfügung stehen, kännen Sie es mit Fingerdruck versuchen.


1. Der Punkt "Zusanli" befindet sich etwa zehn Zentimeter unter dem Knie an der Seite des Schienbeins. Er ist geeignet für die Stärkung des Organismus, für die Bekämpfung von Verdauungsstärungen wie Aufstoäen, übelkeit und Durchfall, von Blähungen, Leibesschmerzen, Magenverstimmungen, Beinbeschwerden, Lähmung und Hypertonie (gesteigerter Blutdruck).


2. Der Punkt ,,Shixuan" liegt an der Fingerspitze und dient zur Bekämpfung von Fieber.


3. Der Punkt "Hegu" ist wirksam bei Zahn- und Kopfschmerzen, Beschwerden und Schwellungen des Halses, bei Lähmung des Gesichtsnerves, bei fiebriger Erkältung sowie Kontraindikation bei Schwangerschaft. Er liegt am Handgelenk zwischen Daumen und Zeigefinger.