Unter den jungen chinesischen Fotografen zeichnet sich Chen Jiagang durch seine Bilder über das Schicksal von Bauprojekten an der sogenannten Dritten Front aus. Diese Projekte wurden Anfang der 60er Jahren des 20. Jahrhunterts begonnen. Damals fasste das chinesische Führungsgremium mit Mao Zedong an der Spitze angesichts der komplizierten internationalen Lage den strategischen Beschluss, die wichtigen Fabriken der Schwerindustrie und Militärindustrie in den Südwesten und Nordwesten des Landes zu verlegen. Diese Gebiete wurden zu jener Zeit als „Dritte Front“ bezeichnet. Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts standen in den Gebirgsgebieten Westchinas zahlreiche Fabriken, die für den wirtschaftlichen Aufbau Chinas eine wichtige Rolle spielten. Aber nach den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gerieten diese Unternehmen in der Politik der Reform und Öffnung nach außen allmählich in Vergessenheit. Viele Fabriken wurden geschlossen. Zahlreiche Arbeiter wurden arbeitslos. In vielen Bildern Chen Jiagangs sieht man Fabriksruinen und Menschen mit entäuschten und matten Augen. Diese Bilder finden auch bei ausländischen Fachleuten großen Anklang. Manche erinnern sich dabei an einen berühmten Essay über Fotografie von Susan Sontag.
Auf der 20. Chinesischen Fotosausstellung im Jahre 2002 errang Chen Jiagang eine hohe Auszeichnung. Im Jahre 2004 veranstaltete er in China seine erste Fotoausstellung, die beim Publikum ein starkes Echo fand. In den folgen Jahren wurden viele seiner Fotos in Beijing, Shanghai und Pingyao sowie in Indonesiens Hauptstadt Jakarta gezeigt. Im Mai 2007 wurden drei seiner Fotos über die Dritte Front auf einer Auktion verkauft. Zwei erzielten jeweils 12.000 US-Dollar, das dritte sogar 38.000 US-Dollar.
Chen Jiagang ist auch ein ausgezeichneter Architekt und ein erfolgreicher Immobilienhändler. Nach seinem Studienabschluss an der Hochschule für Bauindustrie in der Stadt Chongqing im Jahre 1984 bildete er sich an der Bauakademie Südwestchina weiter. Im Jahre 1992 gründete er in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, seine eigene Firma – die Immobiliengesellschaft Haosi. Sein Bauprojekt „Shanghe-City“ erfreute sich bei den Kunden großer Beliebtheit. Alle von ihm entworfenen Wohnhäuser dieses Projektes waren bald ausverkauft. Im Jahre 1999 wurde er wegen seiner guten Leistungen von der UNO zu einem der zwölf ausgezeichneten Architekten Chinas gewählt.
Mit diesen Erfolgen war Chen Jiagang nicht zufrieden. Im Oktober 1998 gründete er in Chengdu die Shanghe-Kunstgalerie – die erste private Galerie ihrer Art in China. Hier wurden viele Werke berühmter Künstler ausgestellt, die Chen Jagang zu hohen Preisen gekauft hatte.