20 Jahre Provinz und Sonderwirtschaftszone Hainan

Text: Xu Xun

Im Film “Rote Frauenkompanie” aus den frühen 1960er Jahren sah man Wu Qionghua und ihre Gefährtinnen im Einsatz auf der tropischen Insel Hainan. Die Filmmusik wurde vom Fluss Wanquan inspiriert. Das Ballett, das aus dem Film entstand, wird auch heute noch aufgeführt.
Die Insel Hainan liegt südlich des chinesischen Festlandes. Sie ist die zweitgrößte Insel Chinas. In der westlichen Han-Dynastie (106 v. Chr. – 24 n. Chr.) wurde auf Hainan die Kreisverwaltung Zhuya eingerichtet. Am 13. April 1988 wurde bei der ersten Sitzung des siebenten Nationalen Volkskongresses die Gründung der Provinz Hainan und der Sonderwirtschaftszone Hainan bestätigt.

Zur Provinz Hainan gehören auch kleinere Inseln im Südchinesischen Meer. Insgesamt sind es 35.400 Quadratkilometer Landfläche, dazu kommen noch über 2 Millionen Quadratkilometer Meeresfläche. Die territorialen Gewässer in diesem Umkreis machen zwei Drittel der insgesamt von China beanspruchten Territorialgewässer aus. Heute hat die Insel Hainan ungefähr 8 Millionen Einwohner, die hier dauerhaft registriert sind. Damit ist Hainan die kleinste Provinz mit der kleinsten Bevölkerung in China.

Goldgräber und Unternehmer

In China und international ist Hainan for allem als Ferieninsel bekannt. Vor 20 Jahren gab es jedoch auch etwas wie eine Goldgräberstimmung, als 1988 der Nationale Volkskongress die Bildung der Provinz und Sonderwirtschaftszone Hainan ratifizierte. „Ich weiß es noch ganz genau”, erinnert sich Li Jinyun, der damalige Bürgermeister der Provinzhauptstadt Haikou und Vertreter der Insel auf dem siebenten Nationalen Volkskongress. „Ich war so stolz wie nie zuvor.“

Die Provinzgründung war der Brennpunkt des Kongresses. Auch ausländische Reporter wollten mit Li Jinyun sprechen. Herr Li wiederholte viele Male: „Welcome investors from home and abroad to Hainan.”
1988 waren es 10 Jahre seit dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik. Wirtschaftliches Wachstum wurde mit vielen neuen Maßnahmen und Konzepten gefördert. Viele Beamte und Staatsangestellte wurden Unternehmer und suchten ihr Glück in den neuen Sonderwirtschaftszonen an der südlichen Küste. 1988 kamen etwa 100.000 hoffnungsfrohe Unternehmer und Spekulanten nach Hainan.

Doch 1988 gab es in der frischgebackenen Provinzhauptstadt Haikou keine einzige Ampel auf den Straßen, von denen viele noch kaum befestigt waren. Die Einwohner hatten keine verläßliche Stromversorgung, kaum Telefonleitungen und eine hohe Arbeitslosenrate. Manche Neuankömmlinge wurden bei Bodenspekulationen reich, aber viele andere gingen schnell bankrupt.

Mit der Gründung der Provinz verpflichtete sich die Provinzverwaltung zur Einhaltung der aktuellen Vorschriften zur Trennung von Partei und Regierungsadministration, ebenso auch zwischen Unternehmensposten und Regierungsfunktionen. Die neue Politik und die neuen Maßnahmen wurden jedoch auf die Probe gestellt, als es in der hyperaktiven Wirtschaftsentwicklung dramatisch auf und ab ging. Der Immobilienmarkt war überbewertet. Vor 1988 gab es kaum ein Dutzend Immobilienfirmen, aber 1993 zählte man 4830 solcher Unternehmen. Das Bruttosozialprodukt der Insel stieg 1992 um 40 Prozent. Es fehlte jedoch an tatsächlicher industrieller Produktion und an Nachschub in vielen Bereichen. Millionen Quadratmeter an Wohnhäusern blieben leer. Investoren verloren Milliarden von Yuan. Viele verließen die Insel.
In den frühen 90er Jahren wurden jedoch bereits Strategien für industrielle Entwicklung ausgearbeitet. Effiziente Produktion von tropischen landwirtschaftlichen Produkten und der Ausbau von Infrastruktur für Feriengäste wurden ebenfalls in Angriff genommen. Wichtige Projekte waren der Hafen von Yangpu, der Phoenix-Flughafen von Sanya, der Flughafen Meilian für Haikou, sowie Fabriken für Kraftwagen und Düngemittel, Kraftwerke, Autobahnen und Schnellstraßen, und nicht zuletzt Gaspipelines. Heute sind noch einige Autobahnprojekte in Bau, und auch an der Eisenbahnverbindung zur Provinz Guangdong (Kanton) wird noch gearbeitet.

Boao und Sanya

Jiang Xiaosong ist einer der Gründer des „Boao Forum for Asia (BFA)“ und Generaldirektor der Firma Hainan Boao Investment Holdings Ltd. 1992 war Jiang nur einer der vielen Untenehmer im Immobiliengeschäft. Doch im November 1992 gründete er nach gründlicher Untersuchung der lokalen Voraussetzungen seine Firma „Hainan Show Real Estate Development Co., Ltd.“ und begann mit der Planung für das Konferenzzentrum „Boao Water Town“.

Boao ist eine Kleinstadt im Osten der Insel, wo die drei Flüsse Wanquan, Jiuqu und Longgun ins Meer münden. Im Januar 1996 begann der Bau des Konferenzzentrums, während Hainan in einer wirtschaftlichen Krise steckte. Das Design und die Qualität der modernen Gebäude in der tropischen Natur erregten internationale Aufmerksamkeit. Am 21. Februar 2001 waren bei der Gründung des Boao-Forums Prominente aus über 20 Ländern und Regionen präsent. Seither kommen jedes Jahr viele internationale Politiker, Finanzleute und Ökonomen hierher und diskutieren über asiatische Wirtschaftsangelegenheiten.

Die Stadt Sanya im Süden von Hainan bietet das ganze Jahr über sonnige Palmenstrände. Im Dezember werden hier die Miss-World-Wahlen veranstaltet. Das erste Miss-World-Finale in Sanya wurde am 6. Dezember 2003 abgehalten und von der Weltpresse als „Meilenstein für Chinas Globalisierung“ bezeichnet. Jede Miss-World-Wahl hat ungefähr zwei Milliarden TV-Zuseher.

Zusammenarbeit auf dem Meer

Im September 2003 wurde Wei Liucheng, Generaldirektor der Firma „China National Offshore Oil Corp (CNOOC)“ zum Gouverneur von Hainan ernannt. Später wurde er Sekretär des Parteikomitees der Provinz. Wei Liucheng hatte davor im Jahr 2001 den CCTV-Preis für Menschen in der Wirtschaft für seine Verdienste im internationalen Börsengang der CNOOC erhalten.

Das südchinesische Meer ist nicht nur für Chinas Außenhandel, sondern auch für die Wirtschaft, die Kommunikation und den kulturellen Austausch zwischen Asien, Europa und Ozeanien von entscheidender Bedeutung. Im südchinesischen Meer gibt es über 260 Inseln. Die chinesischen Namen für die wichtigsten Inselgruppen sind Xisha, Zhongsha and Nansha. Ihre Fläche beträgt zusammen etwa 13 Quadratkilometer. Die Insel Yongxing ist mit 2,13 Quadratkilometern die größte. Das chinesische Ministerium für Landressourcen spricht von über 200 Öl - und Gasquellen und 180 Ölfeldern im südchinesischen Meer. Insgesamt könnten mindestens 30 Milliarden Tonnen an Petroleum vorhanden sein.  Das südchinesische Meer gehört für China zu den zehn wichtigsten strategischen Gebieten für Öl- und Gasgewinnung. Die Streitigkeiten mit den Nachbarstaaten um die Souveränität über die Inseln und die Gewässer werden möglichst beiseite gelassen, wenn es um die Entwicklung der Ressourcen geht. Im März 2005 unterschrieb CNOOC eine Vereinbarung auf drei Jahre mit der „Filipino National Petroleum Company“ und mit der „Vietnamese Oil and Gas Company“. Die drei Länder werden demnach Ölreserven im Bereich von 143.000 Quadratkilometern gemeinsam erforschen und evaluieren.

Am 25. Januar 2008 sagte Gouverneur Luo Baoming auf der ersten Sitzung des vierten Volkskongresses von Hainan: „Wir müssen die Meereswirtschaft ausbauen, das umfasst die Meeresfischerei, aber auch die Kultivierung von Meeresprodukten. Wir werden auch andere Industriezweige auf dem Meer fördern, wie Transport, Pharmazie, und Energienutzung. Wir werden nicht nur die Öl- und Gasreserven unter dem Meer erforschen und erschließen, sondern auch unsere Provinz zu einer Basis für die Verarbeitung der Meeresressourcen machen. Hainan wird auch in Zukunft eine populäre Feriendestination sein, und in der Öl- und Gasgewinnung werden wir zum Persichen Golf aufschließen.“

 

 

 

04/2008