Im Frühling dieses Jahres unternahm ich mit einigen Freunden eine Autoreise zum Kreis Yuxian, die bei mir einen tiefen Eindruck hinterließ.
Wir fuhren von Beijing aus entlang der Badaling-Autobahn nordwärts und erreichten drei Stunden später unser erstes Ziel -- die Kreisstadt Yuxian. Yuxian liegt im Nordwesten der Provinz Hebei. Der Kreis grenzt im Westen an die Provinz Shanxi und im Norden an das Autonome Gebiet Innere Mongolei. Schon in der Qin-Zeit (221—206 v. Chr.) war Yuxian der Regierungssitz der Präfektur Yuzhou. Im Laufe der Jahrhunderte wurden hier ungefähr 580 alte Bauten wie Türme, Tempel und Theater errichtet, von denen viele noch erhalten sind. Die heutige Altstadt von Yuxian wurde in der Hongwu-Regierungsperiode (1368—1398) der Ming-Dynastie errichtet. Die Stadtmauer ist heute noch gut erhalten. Von einem örtlichen Bauern erfuhren wir, dass es fast in jedem Dorf rings um die Stadt alte Burgen gibt. So beschlossen wir, einige Dörfer zu besuchen. Zuerst fuhren zum Dorf Hengjian. Hier sahen wir drei Burgen, die im 2. Jahr (1369) der Hongwu-Regierungsperiode der Ming-Dynastie errichtet wurden. Jede Burg ist mit einer Erdmauer umgeschlossen und hat ein mit Ziegelsteinen gebautes Tor. Dann fuhren wir zu anderen Dörfern des Marktfleckens Nuanquanzhen, wo wir ebenfalls alte Burgen sahen.
Der Tourismus ist in Yunxian noch nicht gut entwickelt. So konnten wir alle alten historischen Stätten kostenlos besichtigen. Die örtlichen Bauern sind sehr gastfreundlich. Wir waren bei einigen Bauernfamilien zu Gast und wurden von ihnen mit Delikaessen und gerösteten Sonnenblumenkernen bewirtet.
Der Marktflecken Nuanquanzhen, etwa zehn km von der Kreisstadt entfernt, zeichnet sich auch durch Shehuo (volkstümliche Kulturveranstaltungen) aus. An Festtagen pflegen die örtlichen Bauern ihre Bräuche. An einem Abend fuhren wir zu einem Städtchen namens Beiguanbao. Als wir um 18 Uhr diesen Ort erreichten, wimmelte es sich auf einem Dreschplatz vor dem großen Torturm der Stadtmauer von zahlreichen Menschen. Rings um den Platz gab es mehrere Imbissverkaufsstände.
Unter dem Torturm sahen wir einen riesigen Ofen zum Eisenschmelzen. Um 19 Uhr begann man, das Eisen zu schmelzen. Wir waren sehr neugierig und wollten wissen, warum beim Shehuo Eisen geschmolzen wurde. Erst später fanden wir die Antwort: Das war ein spezieller Brauch, der von den örtlichen Bauern als Dashuhua bezeichnet wurde. Eine Stunde später war das Eisen weich. Ein kräftiger junger Mann in einer Schaffelljacke legte einen großen Holzlöffel ins Wasser, zog dann ihn heraus und ging zum Ofen. Er holte mit diesem Holzlöffel das flüssige Eisen aus dem Ofen und warf es an die Stadtmauer. Plötzlich exportierten die Feuerwerkskörper, die an der Mauer hingen. Die Zuschauer jubelten und klatschten Beifall. Anschließend sang und tanzte man bis zur Mitternacht.
In den folgenden zwei Tagen sahen wir uns in Yuxian noch andere Kulturveranstaltungen wie Laternenausstellungen und Theateraufführungen an. Am dritten Tag unseres Aufenthalts in Yuxian fiel Schnee. So mussten wir unsere Reise beenden und fuhren wieder nach Beijing zurück.