In den letzten Jahren wurde Tee in Beijing wieder zum Lieblingsgetränk. Im Stadtbezirk Xuanwu gibt es die Teestraße Maliandao, wo der Großhandel mit Schwarztee, Grüntee, Jasmintee und Oolong-Tee getrieben wird. Darüber hinaus wurden im ganzen Stadtgebiet Beijings zahlreiche Teeläden und Teehäuser errichtet.
Das Teetrinken kann in Beijing auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schon in der Zeit der Sui.Dynastie (581—618) war Tee in Beijing sehr gefragt. Damals wurde der Große Kanal zwischen Hangzhou und Beijing angelegt. So konnte Tee durch den Großen Kanal vom Süden nach Beijing transportiert werden. Seit der Tang-Dynastie (618—907) ist der Jasmintee das Lieblingsgetränk vieler Stadtbewohner. Der historischen Überlieferung zufolge wurde der Jasmintee von einem Teehändler namens Chen Guqiu erfunden. Diese Teeart kann länger verwahrt werden. Früher trank man in Beijing Brunnenwasser, das nicht süß ist. Mit diesem Trinkwasser aufgebrühter Tee schmeckte sehr schlecht. Aber der Jasmintee ist eine Ausnahme. Auch ein mit bitterem Brunnenwasser aufgebrühter Jasmintee kann seinen duftigen Wohlgeruch behalten. In der Zeit der Ming- und der Qing-Dynastie (1368-1911) war Beijing als die Hauptsadt der beiden Monarchien die größte Teekonsumstadt des Landes. Überall in Beijing sah man Teehäuser und Teeläden. Viele bekannte Teesorten wie der Longjing-Tee aus Hangzhou in der Provinz Zhejiang, der Biluochun-Tee von der Insel Dongting im Taihu-See, der Maofeng-Tee vom Berg Huangshan, der Guapian-Tee aus Lu'an in der Provinz Anhui und der Tieguanyin-Tee aus der Prozinz Fujian wurden als Tribut dem Kaiserhof geliefert.
Unter den alten Teeläden Beijings ist der Zhangyiyuan-Laden am bekannteten. Er wurde im Jahre 1908 errichtet und hat eine Geschichte von gut hundert Jahren. Sein Gründer war Zhang Wenqing, ein Teehändler aus Shexian in der Provinz Anhui. Im Jahre 1896 kam er nach Beijing, wo er zuerst an der Straße Huashidajie als Straßenhändler Tee verkaufte. Als er reicher wurde, begann er mit dem Glücksspiel, bei dem er außer einer Silbermünze all sein Geld verlor. Doch mit dieser Silbermünze als Kapital errichtete er in Dashalan einen Jasminteestand, der allmählich zu einem berühmten Teeladen wurde.
Zu den anderen alten Teeläden Beijings gehören auch Yuanchanghou und Wu Yutai. Heute haben sie in Beijing mehrere Zweigstellen.
Das Lao-She-Teehaus in Qianmen erfreut sich heute in Beijing bei in- und ausländischen Kunden großer Beliebtheit. Es wurde im Jahre 1988 von Yin Shengxi, dem Generaldirektor der „Große Schale“-Teehandelsgruppe, errichtet. Hier kann man beim Tee die Peking-Oper und die traditionellen Balladenkunst kennenlernen und dabei Imbisse probieren. In den letzten Jahren zog dieses Teehaus jählich 60 000 bis 70 000 ausländische Touristen an. Zu seinen Ehrengästen gehörten der ehemalige US-Präsident George HW Bush, der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, der ehemalige UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim, der ehemalige russische Premierminister Primakov, die ehemaligen japanischen Premierminsiter Kaibu Toshiki und Shiro Nakano, sowie der ehemalige singapurische Premierminister Lee Kuan Yew.
Die Kunst des Teetrinkens und der Teezubereitung ist besonders in den 90er Jahren wieder groß in Mode gekommen. So entstanden in Beijing viele moderne Teehäuser, die besonders gerne von Geschäftsleuten und jungen Liebespaaren besucht werden. Für Geschäftsleute dienen Teehäuser als ideale Orte für Gespräche, und für Liebespaare sind sie ebenso ideal für ein Rendevous. Darüber hinaus üben Teehäuser auch eine große Anziehungskraft auf Büroangestellte aus. Hier genießen die Kunden die traditionelle Teezeremonie und die Blumensteckkunst. Frau Pan, eine Stammkundin, sagte mir im Teehaus Wufu: „Jede Woche lade ich meine Freunde und Freundinnen hierher zu einer Teeparty. Hier können wir uns beim Tee gut entspannen.“