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Im Dorf Nanlong gibt es viele zweistöckige Wohnhäuser aus Holz. Das Erdgeschoß dient als Stall und das Obergeschoß als Wohnraum. |
Im Winter des vorigen Jahres unternahm ich eine Reise in die Provinz Guizhou, um das Dorf Nanlong zu besuchen.
Nanlong ist eine Siedlung der Bouyei-Nationalität im Autonomen Bezirk Qianxinan der Miao- und Bouyei-Nationalitäten. Sie liegt am Unterlauf der Flüsse Nanpan und Beipan im Süden der Provinz Guizhou. Dieses Dorf hat insgesamt 150 Haushalte. Die meisten Einwohner tragen die Familiennamen Cha und Wei. Alle Wohnhäuser – einstöckige und mehrstöckige Häuser mit Ziegeldächern und Balustraden -- liegen im Schatten der 360 Banyan-Bäume und sehen wie eine Form der altchinesischen acht Diagramme aus. Auch heute bewahren die Dorfbewohner ihre traditionelle Lebensweise: Die Männer bestellen die Felder, die Frauen spinnen und weben. So hat jede Familie ein Spinnrad, einen Webstuhl und eine Färberei.
Besonders erwähnenswert ist in diesem Dorf die Acht-Stimmen-Musikgruppe, die schon seit der Zeit der Nördlichen Song-Dynastie (960—1279) in den Wohngebieten der Bouyei-Nationalität bekannt ist. Im Lauf der Jahrhunderte ist diese Musikgruppe immer an Festtagen, bei Hochzeiten und Totenfeiern sowie bei Geburtsfeiern aufgetreten. Diese Musikgruppe besteht aus acht Instrumenten wie Querflöte, Bambusflöte, Geige aus Tierknochen, Yueqin-Zupfinstrument, Flageolett und Kupfertrommel.
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Wei Wanfu, über 80 Jahre alt, ist der Leiter der Acht-Stimmen-Musiktruppe des Dorfes Nanlong. Am Vorabend des Frühlingsfestes im Jahr 2005 wurde er von Staatspräsident Hu Jintao besucht. |
Die Landschaft in der Umgebung von Nanlong ist sehr schön. Hier gibt es den berühmten Steinwald Wanfenglin und den Wanfeng-See, den fünftgrößten Süßwassersee Chinas. Während meines Aufenthalts in Nanlong war gerade die Erntezeit der Zuckerrohre. Auf den Feldern sah ich viele Bauern die Zuckerrohre ernten.
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Der 60jährige Cha Lanzheng ist Mitglied der Musikgruppe von Nanlong. |
Informationen über die Bouyei: Die Volksgruppe der Bouyei ist eine der 55 nationalen Minderheiten Chinas. Nach der 5. Volkszählungim Jahre 2000 hat sie insgesamt 2 971 460 Angehörige. Die meisten von ihnen leben in den zwei autonomen Bezirken Qiannan und Qianxinan der Miao- und Bouyei-Nationalitäten und in den Städten Anshun und Guiyang in der Provinz Guizhou. Ein Teil von ihnen wohnt verstreut im Autonomen Bezirk Qiandongnan der Miao- und Dong-Nationalitäten, in den Bezirken Tongren und Bijie sowie in den Städten Zunyi und Liupanshui in der Provinz Guizhou, im Gebiet Luoping in der Provinz Yunnan und in den Gebieten Ningnan und Huili in der Provinz Sichuan. Die Bouyei-Sprache gehört zum Zhuang-Dai-Sprachzweig der Zhuang-Dong-Sprachgruppe der sinotibetischen Sprachenfamilie. Die Bouyei hatten früher keine eigene Schrift und verwendeteten chinesische Zeichen. Nach der Befreiung hat die Volksregierung für diese nationale Minderheit eine auf den lateinnischen Buchstaben basierende Schrift geschaffen. In der Geschichte sind die Nationalitäten Bouyei und Zhuang aufs engste miteinander verbunden. Der historischen Überlieferung zufolge waren sie beide Nachkommen des Baiyue-Stammes. Deshalb sind die Sprachen beider Nationalitäten recht ähnlich. In der Periode der Südlichen und Nördlichen Dynastien (420—550) und in der Tang-Dynastie (618—907) wurden die beiden Nationalitäten Liliao oder Manliao genannt. Doch weil die Bouyei und die Zhuang später getrennt lebten, entstanden Unterschiede in ihrem Wirtschafts- und Kulturleben sowie bei den Sitten und Gebräuchen. Nach und nach haben sich die zwei Nationalitäten Bouyei und Zhuang herausgebildet.
Das Kulturleben der Bouyei ist reich. Im Volk sind viele Mythen, Geschichten, Märchen, Fabeln, Sprichwörter und Gedichte überliefert. Bei Hochzeiten singt man im großen Kreis. Man lädt einige Dutzend gleichaltrige Jungen und Mädchen ein, die sich gegenübersitzen und im Wechsel singen. Das Kunsthandwerk der Bouyei ist landesweit bekannt. Ihre Batik hat eine lange Tradion, und die Muster sind schön und prächtig. Die Bouyei leben in Monogamie, aber der Kontakt zwischen jungen Leuten ist ziemlich frei. Früher war es üblich, dass sich ledige Männer und junge Mädchen bei Festtagen, Marktbesuchen und Arbeiten außerhalb ihrer Dörfer zum Wechselgesang versammelten. Gefiel ein Mann einer Frau, so warf sie ihm einen vorher sorgfältig bestickten Stoffball zu. Falls der Mann die Zuneigung erwiderte, verabredeten sie sich an einem nahe gelegenen Ort. Dort sangen sie im Wechsel, um sich ihre Liebe zu gestehen. Trotzdem wurde die Eheschließung von den Eltern bestimmt.
Die Bouyei-Männer tragen in der Mitte geknöpfte Jacken und lange Hosen. Ihr Kopf ist mit einem Baumwolltuch umwickelt. Die meisten Frauen tragen an der rechten Seite geknöpfte Jacken mit bestickten Säumen und dazu lange Hosen oder Faltenröcke. Sie schmücken sich gern mit Silber.