Eine Geschäftsstraße wird wiedergeboren

Text: Chen Jian



 

Ein fünffacher dekorativer Torbogen führt in die neugestaltete Qianmen-Straße. Qianmen bedeutet vorderes Tor, dabei handelt es sich swohl um das Tor am südlichen Ende des großen Platzes vor dem Tor des Himmlischen Friedens, als auch um den Bezirk rund um die nach Süden führende Qianmen-Straße. Bei der umfassenden Neugestaltung wurden teilweise 600 Jahre alte Strukturen abgerissen und planiert, dafür gibt es jetzt wieder eine Straßenbahn, wie in den 20er Jahren, und eine Fußgängerzone mit Platz für Millionen von Touristen und Einkäufern, die am 7. August 2008 eröffnet wurde, einen Tag vor dem Beginn der Olympischen Spiele.
Qianmen ist Teil des Stadtbezirks Chongwen. Während der Dynastien der Ming (1368-1644) und Qing (1644-1911) war die Qianmen-Straße bereits enorm belebt. Hier versammelten sich die aktuellen Trends in Architektur, Handel, Bräuchen und Opernkunst. Viele alte Unternehmen, wie der moslemische Delikatessenladen Yue Sheng Zhai, das Entenrestaurant  Quanjude, das Fotostudio Da Bei, der China Bookstore und das Hutgeschäft Sheng Xi Fu waren Fixpunkte der Szene, auch noch in den letzten Jahrzehnten.
Die letzte Renovierung der Straße hatte jedoch 1958 stattgefunden. Viele Kanalanlagen datieretn noch aus der Ming- oder aus der Qing-Dynastie. Die jetzige Neugestaltung von Qianmen ist eines der größten Infrastrukturprojekte in Beijing am Beginn des 21. Jahrhunderts. Sie umfasste 224.000 Quadtratmeter an Boden und geplante 402.000 Quadratmeter Fläche in den Gebäuden. Nach der Neugestaltung besteht Qianmen aus einer Fußgängerzone, fünf paralellen Nord-Süd-Straßen und 22 Gassen. Diese Straßen und Gassen fallen in fünf Zonen: die Geschäftszone, die Souvenirszone, die Luxushotelszone, die Zone der Höfe im traditionellen Stil und die Zone für Erholung und Freizeit.
Im Dezember 1924 verkethrte erstmals eine Straßenbahn auf der Qianmen-Straße. Sie wurde im Mai 1966 abgeschafft. Heute verkehren zwei Wagen, Nachbauten eines 1952 in China entwickelten Typs, auf einem Rundkurs durch die Fußgängerzone. Jeder Wagen hat Platz für 84 Passagiere. Der Antrieb ist elektrisch, die Aufladezeit am Terminal beträgt nur zwei Minuten.
Die Wiedereröffnung der Straßen nach monatelanger großräumiger Absperrung erzeugte bei manchen verbliebenen Traditionsunternehmen einen signifikanten Ansturm. Um 7 Uhr früh stand bereits eine lange Schlange vor dem Restaurant Du Yi Chu, das nur 40 Plätze bietet. Alle Wartenden hielten Nummern in der Hand. Aber um 10 Uhr warteten immer noch 100 Personen auf ihr Frühstück. Das Lammfleischrestaurant Yi Tiao Long war ebenfalls so überrant, dass die traditionell gekleideten Kellner an die Kunden vor der Tür appellierten, es zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu versuchen. Auch vor dem neuen Quanjude-Entenrestaurant sammelte sich schon lange vor Betriebbeginn eine Traube von Menschen.

12 der berühmten Geschäfte und Läden der früheren Qianmen-Straße sind auch heute wieder vertreten. 80 andere bedeutende Firmen darunter die bekannten chinesischen Marken Ruifuxiang, Wuyutai, Neiliansheng und Chow Tai Fook haben Filialen errichtet und 75 Prozent der angebotenen Geschäftsfläche für sich in Anspruch genommen. Es ist also noch ein bisschen Platz für internationale Marken. Diese werden sich erwartungsgemäß bei der Dekoration dem allgemeinen Retro-Stil anpassen. Bei der Entwicklung des gesamten Geschäftsbezirks sucht man noch nach nationalen Marken und erfahrenen Firmen. Tian Yun, Generaldirektor der Beijing Tianjie Real Estate Development GmbH, gibt die Ladenfläche an beiden Seiten der Qianmen-Straße mit 66.000 Quadratmeter an, die unter ca. 180 Restaurants, Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe aufgeteilt wird. Herrn Tians Unternehmen arbeitet zusammen mit SOHO China Limited daran, noch mehr lucrative Mieter anzuziehen. Über 20 Weltmarken, darunter Apple Computer, Starbucks, Rolex und Nike haben bereits Verträge unterzeichnet.