Ein Gespräce von Dr. Dong Dong mit
drei  ausländischen Architekten über die Zukunft
einer „Ruine“ in Guangzhou

Text: Dr. Dong Dong  Fotos: Fang Qianhua



 




Guangzhou (Kanton), die Hauptstadt der Provinz Guangdong, ist eine wichtige Industrie- und Hafenstadt Südchinas. Sie zählt zu den ersten Städten Chinas, die nach außen geöffnet wurden. Am Anfang des 20. Jahrhunderts ließen sich viele ausländische Unternehmen in Guangzhou nieder. Heute gibt es an der Chongkou-Xinlian-Straße Nr. 29 ein altes Tanklager, das von den örtlichen Einwohnern als „Ruine“ bezeichnet wird. Der historischen Überlieferung zufolge wurde dieses Tanklager im 32. Jahr (1906) der Regierungsperiode des Qing-Kaisers Guang Xu von der   großbritanischen Firma „Asiatic Petroleum Company“ errichtet. Diese „Ruine“ grenzt im Osten an den Zhujiang-Fluss (auch Perlfluss genannt), im Westen an die Fangcun-Straße, im Süden an das Dachongkou-Lagerhaus des Hafenverwaltungsamts der Stadt Guangzhou und im Norden an eine deutsche Kirche. Auf einer Fläche von 33 000 Quadratmetern sind noch 2 Bürogebäude, 3 Lagerhäuser, 4 Öltanks und ein Kai erhalten. Die beiden Bürogebäude wurden jeweils am Ende der Qing-Dynastie und in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut. Die drei Lagerhäuser mit Nr. 1, 2 und 3 befinden sich in der Nähe der beiden Bürogebäude. Sie wurden in den ersten Jahren der Republik China und in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts errichtet. Die 4 Öltanks mit Nr. 16, 17, 18 und 19 liegen an der rechten Seite des Tanklagers und wurden im Jahre 1918 errichtet. Sie werden bis heute benutzt. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde dieses Tanklager von den japanischen Aggressoren besetzt. Im April 1951 übernahm die Volksregierung der Stadt Guangzhou die Kontrolle.
Mit der Entwicklung der Stadtsanierung von Guangzhou schenken immer mehr Investoren dieser „Ruine“ große Aufmerksamkeit. Um dieses Stadtrevier umzugestalten, wurden im September 2008 mehrere in- und ausländische Architekten als Berater bestellt. Zu diesem Anlass führte ich mit 3 ausländischen Architekten, nämlich Garrett Avery aus San Diego in der USA, Andrew aus Manchester in Großbritannien und April Jackson aus Chicago in der USA, ein Gespräch.

Frage:  Herr Avery, was meinen Sie zu diesem Gebiet?
Antwort: Dieses Revier nennen wir „post-industriell“. Es liegt dicht am Flussufer und sieht wie die „waterside factories“ in San Diego aus. Das ist eine Tradition. Diese „Ruine“ war früher eine Industriezone und kann als Ort für Maschinenbau und Warentransport und –speicherung benutzt werden. Als einzigartige alte Industriezone soll dieser Ort nicht beseitigt werden.
Frage: Was machen Sie, wenn Sie die Planung für dieses Gebiet bestimmen dürfen?
Antwort: Hinsichtlich des visuelles Einruckes und der Architektur spielen diese Öltanks eine besondere Rolle: Sie sind wie ein großes Tor. Sie sind von kultureller und historischer Bedeutung. Sie sind sehr „cool“ und interessant. Daher meine ich, dass diese Öltanke erhalten werden sollen, weil sie auch nicht rekonstruiert werden können. Es ist sehr wichtig, auf unserem Weg in die Zukunft die Geschichte zu erhalten.
Frage:  Machen Sie das in San Diego auch so?
Antwort: Ja, wenn es mir erlaubt. Im Vergleich mit Guangzhou ist San Diego eine ziemlich junge Stadt. Sie hat eine Geschichte von nur etwa 200 Jahren. Dort gibt es zu wenig historische Stätten. Aber Guangzhou hat eine Geschichte von 2000 Jahren.
Frage: Wie Sie gesagt haben, ist die „Runie“ in Guangzhou ein Zeichen des postindustriellen Zeitalters, und San Diego befindet sich ebenfalls im „post-industrial age“. Wie sieht es mit der Vergleichbarkeit aus und wo liegt die sympolische Bedeutung?
Antwort:  Bei der Planung von Veränderungen in diese ehemaligen Indusriezone muss man an diesem Prinzip festhalten: Das Teil muss dem Ganzen dienen. Für die ganze Stadt Guangzhou ist diese Industriezone von symbolischer Bedeutung.
Frage: Herr Andrew, Sie sind  Landschafts-Architekt. Was meinen Sie zu dieser alten Industriezone?
Antwort: Die hiesigen Öltanks sind sehr eigenartig und interessant.
Antwort: Warum sind sie interessant?
Antwort: Sie liefern der Umgebung große dreidimensionale Elemente. In ihrer Umgebung gibt es viele niedrige Fabrikgebäude und andere alte Bauten. Aber diese Öltanke sind große dreidimensionale Objekte und können für den Entwurf als Blickfang dienen. Sie vertreten die  Vergangenheit der Industrie und können beim Entwurf einer Neugestaltung wieder benutzt werden.
Frage: Wie werden Sie diese Zonze entwerfen?
Antwort: Meiner Meinung nach soll diese Zone zu einem „Industrie-Park“ gestaltet werden. In vielen europäisischen Staaten wie Deutschland gibt es solche Beispiele. Man pflegt in den ehemaligen Industriezonen öffentliche Parks zu bauen. Hier kann man nicht nur alte industrielle Einrichtungen besichtigen, sondern auch sich vergnügen. Gestern bestieg ich einen Öltank und von dort aus hatte ich eine herrliche Aussicht auf die umliegende Landschaft.
Frage: Herr Jackson, können Sie sich selbst vorstellen?
Antwort: Ich komme aus Chicago, absolvierte die Architekturfakultät der Universität in Illinois und erwarb dann den Magistertitel für Architktur und Stadtplanung an der Universität in Wisconsin-Milwaukee.
Frage:  Welche Unterschiede gibt es zwischen der chinesischen und amerikanischen Architektur?
Antwort: Es gibt große Unterschiede. In den USA legt man beim Entwurf großen Wert auf die Verbindung mit der Umwelt und in China berücksichtigt man nur die Stadtplanung.
Frage: Sie haben hier schon an Ort und Stelle Untersuchungen durchgeführt. Welche Eindrücke haben Sie?
Antwort: Am Flussufer sah ich eine große alte Industriezone, die noch nicht erschlossen wurde. Das hat mich sehr erstaunt, dass es in der sich so schnell entwickelnden Stadt Guangzhou eine solche erschließbare alte Zone gibt.
Frage: Wie sollte diese Zone nach Ihrer Meinung umgestalt werden?
Antwort: Bei der Planung muss man die Erhaltung der alten Bauten und die örtlichen Einwohner berücksichtigen. Darüber hinaus darauf achten, wie diese Zone als eine Attraktion der Stadt Touristen anziehen kann. Ich denke, dass hier den Fluss entlang eine Fußgängerzone entstehen sollte.
Frage: Ist diese Zone so wie der Mainekai in Chicago?
Antwort: Ja, wie der Mainekai in Chicago. Es gibt nicht nur Landwege, sondern auch Wasserwege. Diese Zone sollte zu einer touristischen Attraktion umgestaltet werden.
Frage: Als Stadtplanungsarchitekt, wie werden Sie diese Zone planen?

Antwort: Meiner Meinung nach muss man daran denken, wie bei der Modernisierung dieser Zone ihre eigenartige Kultur beibehalten werden kann.